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Innendämmung und Feuchteschutz



Einführung

Bei der energetischen Sanierung von Altbauten ist die Innendämmung oft die einzige Möglichkeit, die Außenwände zu dämmen, wenn die Fassade erhalten bleiben muss (z. B. bei denkmalgeschützten Fassaden). Eine fachgerecht geplante Innendämmung kann die Wärmeverluste deutlich reduzieren und das Wohnklima verbessern, birgt jedoch spezifische Herausforderungen in Bezug auf Feuchteschutz und Wärmebrücken. Durch die Dämmung auf der Innenseite verschieben sich Temperatur- und Feuchteprofile in der Wand: Die Innenoberflächen werden wärmer (kein „Kältegefühl“ mehr an der Wand) und die Wand selbst kühlt stärker aus, was das Risiko von Tauwasserbildung im Wandquerschnitt erhöhen. Um Schäden (z. B. Schimmel oder Frostabplatzungen) zu vermeiden, müssen passende Dämmsysteme gewählt und bautechnische Details sorgfältig geplant werden. Im Folgenden wird ein umfassender Überblick über geeignete Innendämmsysteme im Altbau gegeben – einschließlich einer Beschreibung gängiger Systemtypen mit ihren Vor- und Nachteilen, Hinweisen zur korrekten Ausführung an kritischen Anschlüssen (Innenwände, Fenster, Decken, Dach) sowie wichtigen Aspekten für die Planung (Feuchteschutz, Wärmebrücken, Luftdichtheit, Normnachweise).

Typen von Innendämmsystemen

Es gibt eine Vielzahl von Produkten und Ansätzen für die Innendämmung. Grundsätzlich lassen sie sich aber nach ihrem bauphysikalischen Wirkprinzip in drei Hauptgruppen

:

  • Kapillaraktive, diffusionsoffene Innendämmsysteme (ohne separate Dampfbremse)

  • Diffusionsoffene Innendämmsysteme mit feuchtevariabler Dampfbremse (hygrovariable Dampfbremse und offene Dämmung)

  • Innendämmsysteme mit Dampfsperre/Dampfbremse (dampfdichte Systeme, z. B. mit integrierter Sperrschicht)

Zusätzlich gibt es Hochleistungsdämmstoffe (PIR, Aerogel, Vakuumdämmung etc.), die aufgrund ihrer hohen Dämmwirkung bei geringer Dicke eine Sonderrolle einnehmen. Im Folgenden werden diese Systemtypen erläutert, inklusive ihrer Eignung im Altbau.

Kapillaraktive Innendämmsysteme

 Abb.: Verklebung einer kapillaraktiven Calciumsilikat-Innendämmplatte auf eine Bestandswand. Kapillaraktive Innendämmungen arbeiten ohne innenliegende Dampfbremse oder -sperre. Sie nutzen die Kapillarität ihrer Materialien, um anfallende Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Feuchte, die z. B. durch Tauwasserbildung hinter der Dämmung entsteht, wird von den feinen Porenkanälen des Dämmstoffs aufgesaugt und kann kapillar weitertransportiert werden. Durch diese kondensattolerante Wirkungsweise kann begrenzte Taufeuchte gepuffert werden, ohne dass es zu Schäden kommt – ein großer Vorteil in Altbauten, da leichte Feuchteprobleme ausgeglichen werden können.

Typische Vertreter kapillaraktiver Innendämmsysteme sind Calciumsilikatplatten, aber auch Mineralschaumplatten (z. B. „Multipor“), mineralschaumgefüllte Platten, Holzfaserplatten mit mineralischem Putz sowie Wärmedämmlehm oder Leichtlehmsteine. Calciumsilikatplatten weisen eine sehr hohe kapillare Saugfähigkeit und Alkalität auf (Schutz vor Schimmel). Sie haben jedoch eine relativ geringe Wärmeleitfähigkeit (λ ≈ 0,065–0,10 W/mK) und damit eine geringere Dämmwirkung als manch anderer Dämmstoff. Das bedeutet: Um eine bestimmte Dämmwirkung zu erzielen, müssen Calciumsilikatplatten dicker ausgeführt werden als z. B. synthetische Dämmstoffe. Mineralschaumplatten (z. B. Calciumsilikat-Hydrat-Platten wie Multipor) haben etwas bessere λ-Werte (~0,04–0,05 W/mK) und damit höhere Dämmwirkung, sind aber im Vergleich zu Calciumsilikat nur eingeschränkt kapillar aktiv. Holzfaser-Dämmplatten an Innenwänden werden oft in Kombination mit diffusionsoffenen Innenputzen (z. B. Kalk- oder Lehmputz) eingesetzt. Sie können ebenfalls Feuchte puffern und sind relativ diffusionsoffen, allerdings müssen sie ausreichend vor Durchfeuchtung geschützt werden, da organische Materialien schimmelanfällig sind, wenn sie längere Zeit feucht bleiben.

Vorteile kapillaraktiver Systeme im Altbau: Sie kommen ohne Plastikfolie aus, was die Bauausführung erleichtert und Bauschäden durch unsachgemäße Folienverlegung vermeidet. Bei fachgerechter Ausführung (vollflächiges Verkleben ohne Hohlräume ist Voraussetzung) können diese Systeme begrenztes Tauwasser schadlos aufnehmen und wieder abtrocknen. Dadurch sind sie relativ fehlertolerant und schimmelresistent (Calciumsilikat ist z. B. stark alkalisch). Zudem bleiben sie diffusionsoffen, d.h. die Wand kann weiterhin in gewissem Umfang nach innen austrocknen.

Nachteile und Einschränkungen: Die Dämmleistung pro cm ist geringer – in Altbauten mit Platzproblemen kann die erforderliche Dämmstärke (häufig 6–10 cm oder mehr) den Wohnraum merklich reduzieren. Das Material ist oft teurer als Standarddämmstoffe und die Verarbeitung erfordert Sorgfalt: Hohlräume zwischen Dämmplatte und Wand sind unbedingt zu vermeiden, da sonst feuchte Warmluft hinter die Platte strömen könnte. Die Altwand muss vorab trocken, sauber und möglichst eben sein (evtl. Ausgleichsputz), da kapillaraktive Systeme keine fortwährende Durchfeuchtung verkraften – aufsteigende Feuchte oder Schlagregenundichtigkeiten in der Außenwand müssen vor Innendämmung behoben werden. Bei zu feuchten Wänden besteht die Gefahr, dass die Kapazität der Dämmplatten überschritten wird und es trotzdem zu Feuchteschäden kommt. Außerdem ist die Wärmespeicherfähigkeit der Wand weiterhin wirksam (die Wand bleibt kalt), wodurch im Winter kaum Heizenergie in der Wand zwischengespeichert wird – die Raumtemperatur reagiert also schneller, aber die Wand kann weniger als „Puffer“ dienen.

Diffusionsoffene Innendämmung mit feuchtevariabler Dampfbremse

In manchen Fällen – etwa bei nicht schlagregendichten Altbaufassaden, Fachwerk oder allgemein, wenn eine Austrocknung der Wand nach innen notwendig ist – reicht ein rein kapillaraktives System allein nicht aus. Hier kommen hybrid diffusionsoffene Systeme zum Einsatz, die einen feuchtevariablen Dampfbremse-Film mit einer diffusionsoffenen Dämmung kombinieren. Diese Systeme werden manchmal auch als „kondensatbegrenzend“ bezeichnet, weil sie zwar etwas Feuchteeintrag zulassen, diesen aber kontrollieren und eine Austrocknung nach innen ermöglichen.

Aufbau und Wirkprinzip: Zunächst wird auf der Innenseite der Wand eine spezielle Dampfbremse mit variablem Diffusionswiderstand angebracht (z. B. Klimamembranen wie Pro Clima Intello, ISOVER Vario o. ä.). Diese Membran ist im Winter bei niedriger Luftfeuchte sehr dicht (verhindert weitgehend das Eindringen von Wasserdampf in die Konstruktion), im Sommer bei höherer Luftfeuchte jedoch durchlässiger, sodass aufgenommene Feuchte aus der Wand zurück in den Innenraum trocknen kann. Raumseitig der Membran wird ein diffusionsoffener Dämmstoff angebracht, häufig Faserdämmstoffe wie Holzfaser-, Mineralwolle- oder Zellulosedämmung. Auch Kombinationen mit dünnen Aerogel-Matten sind möglich (z. B. Steinwolle mit Aerogelbeschichtung). Diese Dämmstoffe haben meist eine gute Wärmeleitfähigkeit (typisch λ ≈ 0,035–0,045 W/mK) und sind kapillar in geringem Maße aktiv oder zumindest sorptionsfähig, sodass sie Feuchte aus der Luft aufnehmen können. Die Dampfbremse wird lückenlos und luftdicht auf der warmen Seite (zum Raum hin) verlegt. Abschließend erfolgt meist eine Verkleidung oder ein Innenputz (z. B. auf einer Installations-Ebene oder direkt auf einer Dämmplatte, je nach System).

Vorteile: Dieses System erlaubt der Altbauwand nach innen zu trocknen, falls Feuchte von außen eindringt oder Baufeuchte vorhanden ist.

Gleichzeitig wird im Winter der Feuchteeintrag weitgehend begrenzt, sodass deutlich weniger Kondensat anfällt als bei völlig ungebremster Diffusion. Im Vergleich zu einer völligen Dampfsperre ist es also sicherer bei Restfeuchte oder kleinen Undichtigkeiten, da im Sommer eine Rücktrocknung erfolgen kann. Die verwendeten Dämmstoffe (Holzfaser, Zellulose, Mineralwolle) bieten eine gute Dämmwirkung bei vergleichsweise geringer Dicke und sind häufig ökologisch bzw. aus nachwachsenden Rohstoffen (Holzfaser, Zellulose) verfügbar. Durch die hygroskopischen Eigenschaften dieser Materialien bleibt zudem eine gewisse Feuchtepufferung im Raumklima erhalten. Insgesamt kann man mit solchen Systemen eine hohe Dämmwirkung erzielen, ohne die Wand komplett von Feuchteaustausch abzukoppeln.

Nachteile: Der Aufwand in Planung und Ausführung ist höher. Insbesondere muss die Dampfbremse absolut luftdicht und lückenlos verlegt werden.

Anschlüsse (an Decken, Innenwände, Fensterrahmen, Durchdringungen etc.) sind sehr sorgfältig mit geeignetem Klebeband und Dichtstoffen abzudichten, da jedes Leck zu Feuchteeintrag führen kann. Zwar erlaubt die variable Membran eine gewisse Trocknung, doch größere Leckagen (z. B. durch unsaubere Verklebung oder nachträgliches Durchbohren der Folie ohne Abdichtung) können dennoch zu Tauwasserschäden hinter der Dämmung führen. Die Ausführung erfordert also geschulte Handwerker und Qualitätskontrollen (z. B. eine Blower-Door-Prüfung der Innenluftdichtheit). Zudem ist die Wand mit dieser Lösung nicht mehr vollständig diffusionsoffen, denn die Membran begrenzt den Dampfdurchgang im Winter erheblich. Das heißt, die Wand leistet kaum noch Feuchtepufferung für die Raumluft – in einem trockenen Altbau kann dies unkritisch sein, aber in Räumen mit hoher Luftfeuchte (Bad, Küche) muss konsequent gelüftet werden. Schließlich sind diese Systeme oft etwas teurer und komplexer im Aufbau als einfache Dämmplattenlösungen.

Anwendungsbereiche: Diffusionsoffene Systeme mit variabler Dampfbremse eignen sich insbesondere, wenn die Bestandswand etwas Feuchte enthalten könnte oder von außen nicht 100 % gegen Schlagregen geschützt ist (z. B. Fachwerk mit Gefachausfachungen, historisches Mauerwerk ohne Sperrschichten). Auch wenn sehr hohe Dämmwerte erreicht werden sollen, bieten diese Systeme mit Mineralwolle oder Zellulose eine gute Kombination aus Dämmleistung und Feuchtesicherheit. Sie sind so etwas wie ein Mittelweg zwischen komplett kapillaraktiv (ohne Folie) und komplett dicht – und werden in der Praxis häufig eingesetzt, z. B. bei Innendämmungen mit Holzfaserdämmplatten, hinter denen eine variable Bremse liegt, oder bei Ständerwerk-Vorsatzschalen mit Mineralwolle und Intello-Folie.

Innendämmsysteme mit Dampfsperre / dampfdichten Schichten

Die dritte Gruppe sind Systeme, die Feuchteeintrag weitestgehend verhindern sollen – sogenannte kondensatverhindernde Innendämmungen. Hierbei wird eine klassische Dampfsperre bzw. feste Dampfbremse eingebaut oder der Dämmstoff selbst wirkt so dampfdicht, dass keine separate Folie nötig ist. Ziel ist, dass praktisch kein Wasserdampf aus der Raumluft in die kalte Außenwand gelangen kann, um Tauwasser von vornherein auszuschließen.

Beispiele und Aufbau: Ein einfaches Beispiel ist die Innendämmung mit Polystyrolplatten (EPS), die raumseitig mit einer Aluminiumfolie kaschiert sind – diese Folie dient als Dampfsperre. Auch Polyurethan-Hartschaumplatten (PIR) haben oft aluminiumkaschierte Oberflächen und sind damit praktisch dampfdicht. Ebenso kann man Mineralwolle oder andere Dämmstoffe verwenden und raumseitig eine separate PE-Folie als Dampfsperre anbringen (im Unterschied zur feuchtevariablen Bremse hier eine Folie mit festem, sehr hohem Sperrwert). Ein Sonderfall sind Systeme wie Schaumglas-Platten: Diese sind an sich vollkommen wasserdampfdicht und werden vollflächig verklebt – sie wirken also als Dämmung und Dampfsperre in einem. Auch manche spezielle Innendämmplatten (z. B. PUR-Platten mit integrierten Feuchteregulierungsstoffen wie das System „iQ-Therm“) zählen zu dieser Kategorie, da sie nach außen dampfbremsend wirken.

 Abb.: Innendämmung mit dampfdichten PUR-Hartschaumplatten; die Platten werden vollflächig verklebt und die Fugen sorgfältig abgedichtet. Bei Verwendung solcher Systeme findet keine Feuchtediffusion mehr durch die Wand statt – die Außenwand trägt dann nicht mehr zum Feuchtehaushalt der Raumluft bei. Die Dämmwirkung solcher Materialien ist oft sehr gut (λ bei EPS ~0,035–0,040 W/mK, PIR ~0,025 W/mK, Schaumglas ~0,050 W/mK). Dadurch lässt sich schon mit geringerer Dicke ein guter U-Wert erzielen. Entscheidend ist die perfekte Abdichtung: Die Dampfsperre (ob separate Folie oder integrierte Schicht) muss auf der warmen Seite lückenlos und luftdicht angebracht werden. In der Praxis bedeutet das: Folienstöße verkleben, Anschlüsse an Boden, Decke, Wände, Fenster luftdicht anschließen, Durchdringungen (Steckdosen, Rohre) abdichten. Bei Plattensystemen müssen Fugen z. B. mit speziellem Dichtkleber oder Schaum ausgefüllt und Stöße verklebt werden.

Vorteile: Ist das System einwandfrei dicht ausgeführt, gelangt nahezu kein Innenraum-Wasserdampf in die Wand. Somit bleibt die Bestandswand trocken und Tauwasserschäden werden zuverlässig vermieden – theoretisch. Die hohe Dämmwirkung pro Dicke ist ein Plus in engen Räumen. Zudem sind manche der verwendeten Materialien relativ kostengünstig (EPS) und leicht verfügbar. In Bezug auf die Energieeinsparung erreichen Innendämmungen mit Dampfsperre oft die besten U-Werte, da man hier bedenkenlos auch dickere Dämmschichten einbauen kann (sofern statisch und platzmäßig machbar), ohne Feuchteprobleme zu riskieren – die Wand bleibt ja vollkommen trocken.

Nachteile: Theorie vs. Praxis: In der Praxis sind minimale Undichtigkeiten kaum zu vermeiden – sei es ein kleiner Spalt an einer Klebestelle oder ein späteres Loch für eine Steckdose. Gelangt, aber feuchte Luft hinter die Sperrschicht, kann sie dort kondensieren und dann nicht mehr austrocknen, da die Dampfsperre in beide Richtungen sperrt. Solche versteckten Feuchteschäden sind tückisch. Daher gelten dampfdichte Innendämmungen als sehr sensibel gegenüber Ausführungsfehlern. Besonders in Altbauten mit unebenen Wänden fällt es schwer, eine Folie faltenfrei und dicht anzubringen – und z. B. Holzbalkendecken oder -vorlagen in der Wand erschweren einen durchgängigen Folienverlauf. Außerdem muss die Bestandswand absolut trocken sein: Schlagregenschutz und aufsteigende Feuchte dürfen kein Thema mehr sein, sonst würde Feuchte von außen hinter der Dampfsperre eingeschlossen. Weiterer Nachteil: Die Wand kann überhaupt nicht mehr nach innen trocknen, jegliche Baufeuchte oder Restfeuchte kann nur nach außen abtrocknen – was z. B. bei dichten Altbau-Fassaden (Öl-Anstrich, dichte Verfugung) problematisch sein kann. Und letztlich verliert man den feuchteregulierenden Effekt massiver Wände komplett: die Raumluft kann bei Überschüssen keine Feuchte mehr in die Wand puffern, was zu trockenerer Luft im Winter führen kann (bzw. schnellerer Schimmelbildung, falls doch Feuchte eingetragen wird, etwa bei Nutzungsfeuchte). Kurz: Dieses System ist in der Anwendung eher etwas für Fälle, wo maximale Dämmung bei minimaler Dicke gefragt ist und die Umstände gut kontrollierbar sind (z. B. einzelne sorgfältig ausgeführte Räume, technisch versierte Bauleitung). In vielen Altbauten werden heute bevorzugt kapillaraktive oder diffusionsoffene Systeme eingesetzt, weil diese fehlertoleranter sind.

Hochleistungsdämmstoffe (PIR, Aerogel, Vakuumdämmung)

In Situationen, wo sehr wenig Platz für die Dämmung vorhanden ist (z. B. Stuckdecken, historische Wandvertäfelungen, knapp bemessene Raumgrößen) oder ein besonders hoher Dämmstandard erreicht werden soll, kommen Hochleistungs-Dämmstoffe ins Spiel. Dazu zählen Polyisocyanurat-Hartschaum (PIR), Aerogel-Dämmstoffe und Vakuumdämmplatten (VIP). Diese Materialien bieten extrem geringe Wärmeleitfähigkeiten, sind jedoch teurer und teilweise diffusionsdicht.

Polyisocyanurat (PIR): PIR-Dämmplatten (meist mit Aluminium kaschiert) erreichen λ-Werte um 0,024–0,028 W/mK – deutlich besser als Mineralwolle oder EPS. Damit lässt sich bei halber Dicke die gleiche Dämmwirkung erzielen. PIR-Platten sind jedoch dampfdicht (durch die Alukaschierung) und entsprechen daher praktisch einem System mit eingebauter Dampfsperre. Vorteilhaft ist die hohe Formstabilität und Druckfestigkeit der Platten sowie deren relativ einfache Montage (Zuschneiden, Ankleben, Fugen abdichten). Im Altbau werden PIR-Innendämmungen z. B. eingesetzt, wenn aus Platzgründen nur 4–6 cm Dämmung möglich sind, man aber trotzdem spürbar dämmen will. Zu beachten ist, dass PIR brennbar ist (normalerweise Baustoffklasse B2, schwer entflammbar nur mit Zusätzen) – im Innenbereich muss es deshalb meist mit einer nichtbrennbaren Schicht (z. B. Gipskarton) verkleidet werden (Brandschutz).

Aerogel-Dämmstoffe: Aerogel ist ein hochporöses Silikat (Kieselgel), das als einer der besten feststofflichen Dämmstoffe gilt (λ bis ca. 0,018 W/mK). Im Baubereich wird Aerogel meist in Matten oder Putz eingebunden. Beispielsweise gibt es Aerogel-Dämmmatten, die wie Mineralwolle verarbeitet werden können, oder Aerogel-Zusatz in mineralischem Dämmputz (z. B. Calciumsilikat-Aerogel-Putz). Solche Aerogel-Produkte sind diffusionsoffen und teils sogar kapillaraktiv (z. B. Aerogel-Dämmputze auf Kalkbasis können Feuchte aufnehmen). Ihr Vorteil ist die sehr hohe Dämmleistung bei geringer Schichtdicke sowie die Nichtbrennbarkeit (die meisten Aerogelprodukte sind mineralisch und damit A1 oder A2). Zudem sind sie schimmelresistent. Der große Nachteil sind die Kosten: Aerogel-Dämmungen sind um ein Vielfaches teurer als konventionelle Materialien. Sie werden daher vor allem in Spezialfällen eingesetzt (denkmalgeschützte Innenräume, wo nur 1–2 cm Dämmung möglich sind, o. Ä.). Ein Beispiel: Mit 2 cm Aerogel-Platten kann man etwa die Dämmwirkung von 6–8 cm Mineralwolle erzielen – was in engen Laibungen oder bei Gewölbedecken von Vorteil sein kann.

Vakuumdämmung (VIP): Vakuumdämmplatten bestehen aus einem porösen Kern (z. B. Silikat oder Polyurethan), der gasdicht eingeschweißt und evakuiert wird. Sie erreichen λ_effektiv von 0,005–0,008 W/mK – damit könnte man theoretisch mit 1 cm VIP so gut dämmen wie mit ~10 cm Mineralwolle. In der Praxis werden VIP im Innenbereich selten verwendet, da sie extrem empfindlich sind: Schon eine kleine Beschädigung der Hülle lässt Luft eindringen und die Dämmwirkung sinkt auf das Niveau gewöhnlicher Dämmstoffe. Außerdem müssen VIP-Elemente passgenau vorgefertigt werden (man kann sie nicht an der Baustelle zuschneiden). Dennoch kommen sie mitunter in Altbauten zum Einsatz, z. B. in Fußbodendämmungen oder an besonders heiklen Stellen, wo wirklich nur minimal Platz ist (beispielsweise bei Innendämmung hinter Heizkörpernischen, wenn der Putz nicht entfernt werden soll). Die Kosten sind ebenfalls sehr hoch.

Vor- und Nachteile von Hochleistungsdämmstoffen: Der offensichtliche Vorteil ist die Platzersparnis. In Altbau-Räumen, wo jeder Zentimeter zählt, kann eine dünne Aerogel- oder PIR-Dämmung überhaupt erst eine Dämmmaßnahme ermöglichen, ohne Gesimse, Fensterleibungen oder Fußleisten zu stark zu beeinträchtigen. Viele Hochleistungs-Dämmstoffe sind zudem leicht (geringes Gewicht) und teilweise nicht brennbar (Aerogel, VIP mit mineralischem Kern). Die Kehrseite sind die Kosten (häufig nur mit Förderungen wirtschaftlich) und die geringe Fehlertoleranz: Insbesondere PIR und VIP sind dampfdicht, sodass sie nach dem Prinzip der Dampfsperre geplant werden müssen – mit all den erwähnten Risiken bei Undichtigkeiten. Aerogel in diffusionsoffener Form ist da weniger problematisch, aber finanziell aufwendig. Außerdem erfordert der Umgang mit VIP spezielle Planung (Achtung bei Befestigungen – man darf sie nicht durchbohren!). Insgesamt sollten Hochleistungsdämmungen im Altbau mit Bedacht eingesetzt werden, oft als Ergänzung in Problemzonen (z. B. Laibungsdämmung mit Aerogel oder VIP, während die restliche Wand mit normaler Innendämmung gedämmt wird).

Kombinationslösungen: In der Praxis werden verschiedene Systeme auch kombiniert, um Vorteile zu verbinden. Beispielsweise kann man ein diffusionsoffenes System mit einem kapillaraktiven Dämmstoff kombinieren – z. B. eine Holzfaserdämmung (diffusionsoffen) plus Lehmputz (kapillar aktiv). Oder es werden Verbundmaterialien entwickelt, die hoch dämmende Kerne mit kapillaraktiven Deckschichten verbinden (z. B. das erwähnte iQ-Therm-System: ein PIR-Kern mit mineralischen Kapillareinlagen). Diese Entwicklungen zielen darauf ab, Wärmedämmung und Feuchtesicherheit in einem Produkt zu vereinen.

Vergleich: Vor- und Nachteile der Systeme im Überblick

Nachfolgend fasst Tabelle 1 die wichtigsten Vor- und Nachteile der beschriebenen Innendämmsysteme im Altbau zusammen:

Systemtyp

Beispiele / Materialien

Vorteile im Altbau

Nachteile im Altbau

Kapillaraktiv, diffusionsoffen (ohne Dampfbremse)

Calciumsilikatplatten; Mineralschaum-Platten; Holzfaser + Kalkputz; Wärmedämmlehm

Keine Folie nötig – geringeres Fehlerrisiko bei der Ausführung. Kondensattolerant: kann begrenzte Feuchte aufnehmen und abgeben Verbesserter Schimmelschutz (hohe Alkalität bei Calciumsilikat). Diffusionsoffen – die Wand kann nach innen trocknen. Einfacher Aufbau (Platten ankleben, verputzen).

Dämmwirkung geringer – erfordert größere Dicke (Platzbedarf!). Materialien oft teurer als Standarddämmung. Sorgfältige Verklebung nötig – keine Hohlräume Wand muss trocken und salzfrei sein (empfindlich gegen aufsteigende Feuchte/Schlagregen). Bei andauernder Feuchtebelastung Überforderung möglich.

Diffusionsoffen mit feuchtevariabler Dampfbremse

Holzfaser- oder Mineralwolle-Dämmung + z. B. Intello-Folie; Zellulose + variable Dampfbremse; Hybridsysteme (Steinwolle mit Aerogel + Membran)

Guter Feuchteschutz bei hoher Dämmleistung: im Winter dampfgebremst, im Sommer Austrocknung nach innen möglich. Hohe Dämmwirkung mit relativ geringer Dicke (λ ~0,035–0,045). Wand kann begrenzt trocknen, daher sicherer bei kleinen Feuchteeinträgen. Materialien oft ökologisch (Holzfaser, Zellulose) und schalldämmend.

Aufwendige Detailarbeit: Dampfbremse absolut luftdicht verkleben Risiko bei Undichtigkeiten – Feuchteschäden möglich, wenn Folie verletzt. Wand nicht mehr vollständig feuchtepuffernd (Raumluft-Feuchteausgleich reduziert). Etwas höhere Kosten und Systemkomplexität. Erfordert Fachwissen bei Planung und Einbau.

Dampfsperrensystem (kondensatverhindernd)

EPS-/XPS-Innendämmung mit Alu-Kaschierung; PUR/PIR-Platten (alu-beschichtet); Schaumglas; Innendämmung + PE-Folie

Maximale Reduktion von Feuchteeintrag – bei perfekter Ausführung praktisch kein Tauwasser, Wand bleibt trocken Sehr gute Wärmedämmung möglich (λ bis ~0,025, daher geringe Dicke nötig). Meist günstige Materialien (Polystyrol) und einfache Verarbeitung der Platten. Simpel vom Prinzip: „Trocken halten um jeden Preis“.

Fehleranfällig: kleinste Undichtheit kann große Feuchteschäden verursachen (Feuchte kann nicht zurücktrocknen) Außenwand muss absolut trocken sein (sonst Einschluss von Feuchte)Diffusionsdicht – keinerlei Austrocknung nach innen, Wand übernimmt keine Feuchteregulierung mehr. In Altbauten mit vielen Anschlüssen schwer dauerhaft dicht herzustellen. Kein Puffer bei Baufeuchte oder Wasserschäden (z. B. Rohrbruch hinter der Sperre).

Hochleistungsdämmstoffe (dünnschichtig)

PIR-Hartschaum (λ ~0,025); Aerogel-Matten oder -Putz (λ ~0,020–0,030); Vakuumplatten (VIP, λ ~0,007); Kombinationen (z. B. VIP in Fensterleibung)

Platzsparend – Dämmung bei minimaler Dicke, erhalt der Raumproportionen (wichtig bei Stuck, Nischen, etc.). Hohe Dämmwirkung ermöglicht U-Werte nach EnEV/GEG selbst bei begrenztem Platz. Aerogel- und VIP-Systeme oft nicht brennbar (Brandschutzvorteil im Innenraum). Innovative Lösungen für Problemzonen (z. B. Laibungen, Gewölbe).

Sehr hohe Kosten (bes. VIP, Aerogel). Planungsaufwand: VIP müssen passgenau geplant werden, dürfen nicht beschädigt werden; Aerogel erfordert spezielle Verarbeitung (Staubschutz, etc.). PIR/VIP sind dampfdicht – Feuchteschutz wie bei Dampfsperre nötig. Oft nur in Kombination mit anderen Systemen sinnvoll (wegen Kosten nicht flächig auf ganzer Wand). Begrenzte Verfügbarkeit und weniger Langzeiterfahrung im breiten Einsatz.

Tabelle 1: Vergleich der Innendämmsysteme – jeweils typische Beispiele und besondere Vor-/Nachteile im Altbau. Anhand dieser Übersicht wird deutlich, dass keine Einzellösung universal ideal ist. Die Auswahl hängt vom Einzelfall ab: Zustand der Bestandswand (trocken oder feuchtebelastet?), gewünschte Dämmwirkung, verfügbare Platzreserven, Budget und handwerkliche Möglichkeiten. Häufig werden Kapillaraktive oder diffusionsoffene Systeme in Altbauten bevorzugt, weil sie robuster gegen Feuchte sind. Ein dampfdichtes System kann aber sinnvoll sein, wenn die Wand garantiert trocken ist und maximal gedämmt werden soll – etwa in einzelnen Räumen unter Aufsicht eines Fachmanns. Hochleistungsdämmstoffe kommen ergänzend zum Einsatz, wenn Standardlösungen aus Platzgründen versagen (z. B. nur 2 cm Laibungsbreite für Dämmung vorhanden). Oft wird auch kombiniert: z. B. kapillaraktive Innendämmplatten auf der Fläche und zusätzlich eine dünne Aerogel-Dämmung in den Fensterleibungen.

Ausführung an kritischen Bauteilanschlüssen

Entscheidend für den Erfolg einer Innendämmung sind die Details: Viele Schäden entstehen nicht im Wandflächenbereich, sondern an Anschlusspunkten – dort, wo die Dämmung endet oder unterbrochen wird. Im Altbau gibt es mehrere kritische Bauteilanschlüsse, die sorgfältig geplant und ausgeführt werden müssen:

  • Anschlüsse an einbindende Wände (Innenwände) – Innendämmung trifft auf eine quer dazu stoßende Innenwand.

  • Fensteranschlüsse – insbesondere Fensterlaibungen (seitlich und oben) sowie der Bereich der Fensterbank unter dem Fenster.

  • Deckenanschlüsse oben und unten – Übergang der Innendämmung zur Decke (Geschossdecke oben) und zum Boden bzw. Kellerdecke unten.

  • Dachanschluss im ausgebauten Dach – falls das Dachgeschoss gedämmt und ausgebaut ist, Übergang der Wanddämmung zur Dachschrägendämmung.

  • Lüftungstechnische Maßnahmen – Gewährleistung ausreichender Lüftung nach Einbau der Innendämmung, um Feuchtestau und Schimmel vorzubeugen.

Im Folgenden werden diese Punkte im Detail erläutert, mit Hinweisen zur korrekten Ausführung.

Anschluss an einbindende Innenwände

Wenn Innenwände an die gedämmte Außenwand anschließen, entsteht eine Wärmebrücke: Die Innendämmung wird an der Innenwand typischerweise beendet, sodass die Wärme an der unbehandelten Innenwand schneller nach außen abfließen kann. Die Ecke zwischen Außen- und Innenwand bleibt kalt. Dies führt zu abgesenkten Oberflächentemperaturen in der Innenecke und birgt Schimmelgefahr. In vielen Altbauten findet man genau dort (oberhalb der Sockelleiste in Raumecken) zuerst Schimmel nach unsachgemäßer Innendämmung.

Lösung: Wichtig ist, die Innendämmung an solchen Stellen kontrolliert ausklingen zu lassen. Eine bewährte Maßnahme ist die Flankendämmung bzw. ein Dämmkeil an der Innenwand-Ecke. Dabei wird die Dämmung an der Außenwand einige Zentimeter um die Ecke herum weitergeführt – typischerweise 30 cm auf der Innenwand – und keilförmig auf Null auslaufend angeordnet. So entsteht ein thermischer „Übergang“: der Wärmefluss in der Ecke wird reduziert und die Oberflächentemperatur deutlich erhöht. Eine Simulation ergab z. B., dass eine 30 cm breite und auslaufende Flankendämmung die minimale Innentemperatur in der Ecke von kritischen 14,1 °C auf etwa 17,6 °C anheben konnte – damit liegt sie über der Taupunktgrenze und Schimmel wird vermieden.

Die praktische Ausführung erfolgt je nach System: Bei Innendämmplatten kann man passende Dämmkeile (vorgefertigte keilförmige Streifen) verwenden und diese mit dem gleichen Klebemörtel halb auf die Außenwand und halb auf die Innenwand kleben, sodass die Ecke schräg ausgerundet wird. Hersteller bieten für solche Anschlüsse spezielle Keile an (z. B. Multipor-Dämmkeile aus Mineralschaum). Bei Ständerwerk-Innendämmungen kann man die Dämmebene ebenfalls um die Ecke führen (soweit möglich) oder wenigstens den Hohlraum in der Ecke mit Dämmkeilen ausstopfen. Wichtig ist, dass die Innenwand in der Ecke nicht mehr ganz kalt frei liegt, sondern einen „Mantel“ aus etwas Dämmstoff bekommt.

Falls die Innenwand beidseitig Räume hat (durchlaufende Trennwand), sollte die Flankendämmung idealerweise auf beiden Seiten der Innenwand erfolgen, jeweils 20–30 cm von der Außenwandecke aus. Das ist jedoch oft nur bei Sanierungen innerhalb der betroffenen Wohnung machbar. Mindestens in dem gedämmten Raum selbst sollte der Innenwandanschluss gedämmt werden.

Zusätzliche Maßnahmen: In hartnäckigen Fällen (sehr dicke Deckenauflagern, komplexe Geometrie) kann man weitere Schritte erwägen. Das WTA-Merkblatt empfiehlt z. B., den vorhandenen Innenputz in der Ecke teilweise zu entfernen, damit die Innendämmung ohne Versprung um die Ecke geführt werden kann. Auch das Abtragen von Estrich im Randbereich der Innenwand kann helfen, um die Dämmung unten bis auf die Rohdecke durchzuziehen (siehe Deckenanschluss unten). Generell sollte der Planer die betreffenden Knotenpunkte rechnerisch prüfen – entweder mittels Wärmebrückenberechnung oder anhand von Wärmebrückenkatalogen. Wichtig ist, dass der Temperaturfaktor f<sub>Rsi</sub> in der Ecke ≥ 0,7 bleibt (nach DIN 4108-2, das entspricht ca. 12,6 °C Oberflächentemperatur bei 20 °C/50 % r.F. innen). Die beschriebenen Dämmkeile und Flankendämmungen sind probate Mittel, dies zu erreichen.

Zusammengefasst: Dämmung nicht einfach an der Ecke enden lassen, sondern auslaufen lassen! Eine falsch ausgeführte Innenecke (Dämmung stößt stumpf an Innenwand) wirkt wie eine „Kältefalle“ und muss unbedingt vermieden werden. Im Zweifel sollte ein Fachplaner die Ausführung vorgeben.

Fensterlaibungen und Fensterbankanschluss

Fensterlaibungen (die seitlichen und oberen Anschlüsse der Wandöffnung ans Fenster) gehören zu den heikelsten Details. Wird eine Außenwand innen gedämmt, liegen die Fenster praktisch in einer „Nische“, deren Wände nun ungenutzt kalt bleiben, wenn man nichts unternimmt. Eine unzureichend gedämmte Laibung kann zu starkem Wärmeverlust und Tauwasserbildung direkt am Fensterrahmen führen. Daher gilt: Fensterlaibungen müssen mitgedämmt werden!

Dämmstoffdicke in Laibungen: Da Fenster meist bündig zur Innenwand oder mittig im Mauerwerk sitzen, kann man innen in der Laibung keine allzu dicken Dämmschichten anbringen, ohne die Fensteröffnung stark zu verkleinern. Üblich sind Dämmplatten von 2–3 cm Dicke in der Laibungen 2 cm ist dabei das absolute Minimum, 3 cm oder mehr (falls Platz) sind besser. Dünne, aber hochwirksame Materialien (Aerogel-Matten oder VIP) können hier ihre Stärke ausspielen – häufig werden aber einfach XPS- oder EPS-Platten verwendet, da diese leicht zuzuschneiden und zu verarbeiten sind. Auch Holzfaser- oder Kalziumsilikat-Laibungsplatten sind erhältlich, die sich verputzen lassen. Wichtig ist, dass das Material formstabil ist (Mineralwolle scheidet z. B. aus, da man den Putzgrund braucht). Beliebt ist EPS in Laibungen, oft mit einer dünnen Armierungsschicht (Glasfaservlies) zur Stabilisierung– diese Lösung ist günstig und effektiv.

Unterer Anschluss (Fensterbankbereich): Unter dem Fenster sollte ebenfalls gedämmt werden, besonders wenn es eine Heizkörpernische gibt (oft im Altbau unter Fenstern eine Ausmauerung, die dünner ist). Man empfiehlt, die seitliche Laibungsdämmung bis unter das Fenster fortzuführen und auch die Laibung der Heiznische mitzudämmen. Die eigentliche Fensterbank (innen) muss dazu meistens ausgebaut werden. Darunter kann dann ein Dämmstreifen eingebaut werden, möglichst in Verbindung mit einer Abdichtung gegen Feuchte (Schlagregen, der außen auf die Fensterbank trifft, darf nicht ins Innere dringen – hier also z. B. Dichtfolie im Fensterbankanschluss). Die Außensohlbank sollte ebenfalls thermisch entkoppelt werden, was aber von innen begrenzt beeinflussbar ist.

Austausch der Fenster: Ideal ist es, wenn im Zuge der Innendämmung ohnehin neue Fenster eingebaut werden. Dann kann man die Fenster ggf. weiter nach außen setzen (in die Dämmebene). Bei einem vor die Fassade gerückten Fenster kann die Laibung rundum gedämmt und der Rahmen teilweise überdämmt werden, sodass eine nahezu wärmebrückenfreie Einbindung entsteht – ähnlich wie beim Wärmedämmverbundsystem von außen. Dies ist allerdings ein größerer Aufwand und oft nur bei Komplettsanierungen realistisch. Häufiger bleiben die bestehenden Fenster an Ort und Stelle; dann muss man mit dünnen Innendämmplatten in der Laibung arbeiten und die Fensteranschläge sauber ausbilden.

 Abb.: Dämmung der Innenlaibung mit dünner Mineralwolldämmplatte (mit Aerogel) auf feuchtevariable Dampfbremse; die Laibung wird lückenlos bis an den Fensterrahmen gedämmt. Ausführungstipps: Vor dem Anbringen der Laibungsdämmung sollten Tapeten und meist auch der alte Putz entfernt werden, damit die Platten vollflächig haften. Ecken und Kanten müssen passgenau zugeschnitten sein. Hohlräume darf es keine geben (ggf. mit passgenauen Keilen oder etwas Montageschaum ausfüllen). Der Spalt zwischen Dämmplatte und Fensterrahmen wird mit einem Dichtband oder Dichtmasse geschlossen, um Luft und Feuchte am Eindringen zu hindern. Speziell vorkomprimierte Schaum-Dichtbänder eignen sich, da sie sich beim Aufquellen dem Spalt anpassen. Alternativ kann ein Acryl-Dichtstoff die Fuge versiegeln (wichtig: verträglich mit dem Rahmenmaterial). Bei Systemen mit Dampfbremse wird diese um die Laibung herum geführt und bis auf den Fensterrahmen gelegt, dort mit geeigneten Klebebändern luftdicht verklebt die Ecke“ gehen und am Fenster anschließen – sonst hätte man eine Leckage direkt am Fensteranschluss.

Nach Einbau der Laibungsdämmung werden die Platten wie die übrige Wand verputzt oder verkleidet, sodass ein einheitliches Bild entsteht. Viele Innendämmsysteme bieten spezielle Laibungsputze an (teils mit erhöhtem Dampfsperrwert, um trotz dünner Dämmung die Diffusion zu begrenzen). Im einfachsten Fall kann aber der selbe Kalk- oder Gipsputz wie auf der Innendämmplatte genutzt werden.

Wichtig: Prüfen Sie nach der Sanierung, ob die Fenster noch einwandfrei öffnen! Durch die gedämmte Laibung verkleinert sich die lichten Öffnungsmaße minimal – insbesondere bei Fenstern, die nach innen öffnen, kann eine 3 cm Laibungsdämmung dazu führen, dass der Fensterflügel am Dämmstreifen streift. Daher unbedingt vorab Maß nehmen: Der Abstand zwischen Fensterflügel und Laibung (bei geöffnetem Fenster) bestimmt die maximal mögliche Dämmstärke. Im Zweifel dünnere Platten oder den Fensteranschlag etwas anschrägen.

Auch der Rollladenkasten (falls vorhanden) ist eine potenzielle Wärmebrücke. Dessen Dämmung gehört ebenfalls zum Fensteranschluss (wenn innen zugänglich). Hierzu gibt es fertige Dämmeinsätze; zumindest sollte der Kasten innen und außen abgedichtet sein, damit keine kalte Luft hereinzieht.

Zusammengefasst: Fensterlaibungen immer mitdämmen, auch wenn es nur ein paar Zentimeter sind. Die Innendämmung sollte nahtlos ins Fenster laufen, alle Anschlüsse sind luftdicht herzustellen. Lieber etwas Dämmung opfern (dünnere Laibung) als eine Fuge oder einen Spalt lassen, der später Kondensat anzieht. Bei korrekter Ausführung steigt die Temperatur in der Fensterleibung deutlich an und die Schimmelgefahr sinkt gegen Null – während ohne Laibungsdämmung trotz neuer Innendämmung an genau dieser Stelle oft Schimmel zuerst auftritt.

Deckenanschlüsse oben (Geschossdecke) und unten (Boden/Kellerdecke)

Anschlüsse der Innendämmung an Decken sind komplex, da hier oft konstruktive Bauteile die Dämmebene unterbrechen. Typischerweise liegt eine Geschossdecke (Betondecke oder Holzbalkendecke) innerhalb der Außenwand. Von innen gesehen endet die Innendämmung unter der Decke – die Decke selbst ist aber ein wärmeleitendes Bauteil, das in die Außenwand hineinragt. Ähnlich am Fußpunkt: Unten endet die Innendämmung oberhalb des Fußbodens – darunter liegt ggf. die kältere Kellerdecke oder Bodenplatte, die ebenfalls ins Mauerwerk eingebunden ist. Diese Bereiche führen zu Wärmebrücken an Deckenauflagern.

Deckenanschluss oben (zum unbeheizten Dachboden oder obersten Geschoss): Wenn die oberste Decke oberhalb der gedämmten Wand unbeheizt ist (kalter Dachboden), sollte idealerweise die Decke selbst gedämmt werden (von oben oder unten), um Wärmeverluste zu reduzieren. Ist dies nicht erfolgt, bildet die ungedämmte oberste Geschossdecke eine starke Wärmebrücke. Die Innendämmung der Wand sollte in diesem Fall möglichst über die Deckenoberkante hinausgeführt werden: Man kann z. B. im Dachboden an der Wand entlang einen Streifen Dämmung auf die Innenseite der Außenwand kleben (über der Decke, im kalten Bereich), sodass die Wanddämmung einige Zentimeter über das Geschossende hinausgeht. Zusätzlich kann ein Dämmstreifen auf der Dachbodenseite der Decke entlang der Wand verlegt werden (eine Art Aufkantdämmung). Diese Maßnahmen verringern den Wärmeabfluss an der oberen Kante.

Besser ist wie gesagt, die oberste Geschossdecke flächig zu dämmen (z. B. mit Dämmplatten oder -filz). Dann ist der Deckenanschluss weniger problematisch, weil die Decke nicht mehr eiskalt ist. Trotzdem bleibt eine kleine Unstetigkeit an der Stelle, an der Wand- und Deckendämmung zusammentreffen – diese sollte luftdicht und möglichst lückenlos verbunden sein (z. B. Klebestreifen zwischen Wanddämmung und Dachbodendämmung).

Deckenanschluss zwischen beheizten Geschossen: Hier trennt die Decke zwei beheizte Räume, d.h. sie ist auf beiden Seiten warm. Die Problemstelle ist aber das Deckenauflager in der Außenwand. Bei Massivdecken liegt die Betonplatte im Mauerwerk und überbrückt ggf. die Innendämmung. Es entsteht ein keilförmiger Spalt: Unter der Decke ist kein Platz für die Innendämmung, weil die Decke bündig mit der Innenwandoberfläche abschließt. Somit bleibt ein Streifen Wand in Deckenhöhe ungedämmt. Geometrisch ist diese Wärmebrücke oft weniger dramatisch als bei einer kalten Decke, da oben und unten ja beheizt ist – doch lokal kann die Wand unmittelbar unter der Decke etwas kühler bleiben.

Maßnahmen am oberen Deckenanschluss: Im Zuge der Innendämmung kann man versuchen, die Dämmung bis zur Rohdecken-Unterkante hochzuziehen. Oft ist jedoch ein Deckenputz oder Stuck im Weg. Manchmal wird empfohlen, einen Schräganschluss (Dämmkeil) an der Decke anzubringen. Das heißt, entlang der Wand-Decken-Kante wird ein keilförmiger Dämmstreifen auf die Decke geklebt, der nach innen hin ausläuft. Dieser Dämmkeil dämmt die Ecke und verdeckt gleichzeitig den Versprung zwischen gedämmter Wand und ungedämmter Decke. Gutex und andere Hersteller bieten z. B. Holzfaser-Dreieckleisten an, die man nachträglich einbauen kann. So entsteht ein schräger Anstrich in der Ecke, der raumseitig kaum auffällt, aber die Kältebrücke mildert. Zudem kann man erwägen, den Bestands-Deckenputz im Randbereich abzuschlagen und die Wanddämmung wenige Zentimeter höher zu führen (bis zur Deckenrohkante). Die entstehende Stufe an der Decke kann dann wieder verputzt werden.

Deckenanschluss unten (Fußboden): Im Erdgeschoss geht die Außenwand oft ins unbeheizte Kellergeschoss über. Hier endet die Innendämmung üblicherweise auf Höhe des Fußbodens. Darunter, an der kalten Kellerwand, fehlt die Dämmung – was eine erhebliche Wärmebrücke sein kann, die oft zu kalten Fußleisten und Schimmel an Raumecken führt. Empfohlen wird, die Innendämmung so weit wie möglich nach unten zu führen. Praktisch stößt man auf den Fußbodenaufbau. Bei einer größeren Sanierung kann man den Randestrich entfernen (ein Streifen entlang der Wand, einige Zentimeter breit) und die Innendämmung bis auf die Kellerdecke herunterziehen. Anschließend füllt man den Estrichrand mit Dämm-Material auf oder verwendet einen Dämmkeil, um den Übergang zum Boden zu dämmen. Ist ein Ausbau des Bodens nicht möglich, sollte zumindest die Kellerdecke unterhalb gedämmt werden (von unten im Keller). Das reduziert den Wärmeabfluss in dem Bereich.

Bei Geschossdecken zwischen beheizten Etagen ist der untere Anschluss analog zum oberen: Hier kann man ggf. an der Zimmerdecke darunter (falls frei oder zugänglich) einen Dämmstreifen anbringen. In Wohnungen aber selten praktikabel außer im eigenen Bereich.

Zusammengefasst: Durchdringende Decken und Böden sind unvermeidliche Wärmebrücken bei Innendämmung. Man kann ihre Wirkung aber durch flankierende Dämmstreifen/Keile deutlich reduzieren. Es lohnt sich, diese Details zu berücksichtigen, da so die sonst gut gedämmte Wand nicht durch schimmelige Ecken „entwertet” wird. Hier zahlt sich eine sorgfältige Planung (Wärmebrückenberechnung, Detailplanung) aus.

Anschluss an die Dachschräge (im ausgebauten Dach)

Befindet sich oberhalb der gedämmten Außenwand ein ausgebautes Dachgeschoss, muss die Innendämmung der Wand mit der Dachdämmung in Einklang gebracht werden. Meist wurde im Dach bereits eine Zwischensparrendämmung mit innenliegender Dampfbremse eingebaut. Diese trifft an der Traufe oder am Kniestock auf die gedämmte Außenwand.

Herausforderung: An der Stelle, wo die geneigte Dachschräge und die vertikale Außenwand zusammenkommen, dürfen keine Lücken in der Dämmung oder Luftdichtung bleiben. Häufig trifft die Wandinnendämmung unter der Decke auf die Dachschräge, die schräg nach oben weiterführt. Hier entsteht ein dreidimensionales Eckdetail.

Ausführung: Die Innendämmung der Wand sollte nahtlos in die Dachdämmung übergehen. Praktisch bedeutet das, dass man z. B. einen Dämmkeil im Traufbereich einsetzt, um die Lücke zwischen der flachen Wanddämmung und der schrägen Sparrendämmung zu füllen (falls die Wand über die Decke hinausgeht). Bei vielen Häusern gibt es einen Kniestock (Drempel) – eine kleine Vormauerung im Dach. Ist der Kniestock innen gedämmt, gelten dort dieselben Regeln wie für Innenwände: Flankendämmung an den Anschlüssen zur Außenwand, um Kältebrücken zu vermeiden. Oberhalb des Kniestocks, wo die Dachschräge ansetzt, kann man die Wanddämmung z.B. keilförmig auslaufen lassen.

Wichtig ist die luftdichte Ebene: Die Dampfbremse der Dachschräge (z. B. Folie unter den Sparren) muss mit der Dampfbremse oder dem Innenputz der Wand verbunden werden. Oft wird die Dachfolie an der Wand heruntergeführt und dort angeklebt, bevor die Wandinnendämmung angebracht wird. Wenn die Wand kapillaraktiv gedämmt wurde (ohne Folie), muss dennoch eine Luftdichtheitsschicht hergestellt werden – etwa indem ein Dichtband zwischen dem Wandputz und der Dachfolie hergestellt wird. Andernfalls könnte warme Luft aus dem Wohnraum über die Traufe in die kalte Dachschräge gelangen.

Dachüberstände und Sparren: Bei manchen Altbauten ragen die Dachsparren der Deckenkonstruktion in die Außenwand (z. B. bei Fachwerk oder Holzbalkendecken). Hier sollte geprüft werden, ob diese Holzteile ausreichend mitgedämmt sind. Ggf. müssen Aussparungen in der Wanddämmung mit Dämmstoff ausgefüllt werden, wo ein Sparren an die Wand stößt.

Zusätzliche Dämmung außen? Im Traufbereich besteht manchmal die Möglichkeit, von außen (unter den Dachziegeln) einen Dämmkeil anzubringen, der die oberste Ecke der Wand dämmt. Dies kann hilfreich sein, wenn innen die Decke stört.

Insgesamt ähnelt der Dachanschluss dem Deckenanschluss, nur in Schräglage. Die Grundregel lautet: Weder Dämmung noch Luftdichtung dürfen „abbrechen“. Alle Materialien sind um die Ecke herumzuführen oder anzuschließen. Bei komplizierten Dachdetails (Gauben, Schrägen) ist es ratsam, Hersteller-Details oder einen Fachmann hinzuzuziehen, da Fehler hier schwer nachträglich zu beheben sind.

Lüftungskonzept und Lüftungsmaßnahmen bei Innendämmung

Eine Innendämmung macht die Gebäudehülle in der Regel luftdichter. Früher „atmeten“ viele Altbauten durch Fugen und Ritzen; nach Sanierung – insbesondere wenn gleichzeitig Fenster erneuert wurden – findet deutlich weniger unbeabsichtigter Luftwechsel statt. Dadurch steigt jedoch das Risiko von Feuchtestau und Schimmelbildung im Innenraum, wenn nicht aktiv gelüftet wird. In Deutschland schreibt die Norm DIN 1946-6 daher vor, bei bestimmten Sanierungsmaßnahmen ein Lüftungskonzept zu erstellen.

Lüftungskonzept nach DIN 1946-6: Dieses Konzept soll sicherstellen, dass auch nach der Sanierung eine ausreichende Mindestlüftung zum Feuchteschutz gewährleistet ist. Ein Lüftungskonzept ist verpflichtend, wenn durch die Sanierung der Luftwechsel deutlich reduziert wird – z. B. beim Austausch von >1/3 der Fenster oder bei Innendämmung mehrerer Räume (maßgeblich ist §6 GEG bzw. vormals EnEV). Innendämmung alleine wird in der Norm zwar nicht explizit genannt, geht aber oft mit Abdichtung und neuen Innenputzen einher, die die Hüllfläche dichter machen. Spätestens wenn Fenster getauscht werden (was oft parallel erfolgt), muss ein Lüftungskonzept erstellt werden.

Mögliche Lüftungsmaßnahmen: Das Lüftungskonzept kann verschiedene Stufen vorsehen, vom alleinigen Nutzerlüften bis zur kompletten Lüftungsanlage. In Altbauten wird häufig ein mix gewählt:

  • Nutzerlüftung mit Hinweis: Der einfachste Weg ist, die Bewohner anzuweisen, regelmäßig stoßzulüften (händische Fensterlüftung). Dies erfordert Disziplin und kann bei zeitweiliger Abwesenheit (Urlaub, Arbeit) problematisch sein. Daher wird es als alleinige Maßnahme nur akzeptiert, wenn eine rechnerische Prüfung zeigt, dass schon geringe Lüftung ausreicht.

  • Technische Lüftungsanlagen: Hier gibt es zentrale Systeme (ein Ventilatornetz für die ganze Wohnung) oder dezentrale Geräte pro Raum. In der Altbausanierung sind dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung beliebt, da sie ohne großes Kanalsystem nachgerüstet werden können. Diese Geräte (z. B. inVENTer, Lunos, Helios u.a.) werden in die Außenwand eingebaut: Meist paarweise, einer bläst Luft hinaus, der andere saugt frische Luft an, und in regelmäßigen Intervallen wechseln sie die Richtung – dabei wird mittels eines Keramik-Wärmespeichers die Wärme der Abluft zur Zuluft übertragen. Solche Systeme ermöglichen kontrollierte Wohnungslüftung mit 60–90 % Wärmerückgewinnung und halten die Luftfeuchte in Grenzen. Sie eignen sich gut, um Schimmel vorzubeugen, da sie kontinuierlich für einen Grundluftwechsel sorgen, unabhängig vom Nutzverhalten.

  • Bad- und Küchenlüfter: Eine einfachere Variante ist der Einbau von Einzellüftern in Feuchträumen (Bad, Küche), die zeitgesteuert oder feuchtegesteuert Luft nach außen befördern (Abluftventilatoren). Zuluft kommt dann durch Fensterfalzlüfter oder Fensteröffnungen nach. Dies kann zumindest die Feuchtespitzen abführen.

  • Fensterfalzlüfter / passive Systeme: Manchmal werden auch Fensterfalzlüfter eingesetzt – kleine Klappen in den Fensterrahmen, die einen geregelten Grundluftstrom zulassen, ohne dass das Fenster geöffnet wird. Diese verhindern vollständig hermetisch geschlossene Räume. Sie haben aber keinen Wärmerückgewinn und können bei starkem Wind zu Zug führen.

Welche Maßnahme nötig ist, hängt vom Ergebnis der Lüftungsplanung ab. Das Ziel laut Norm ist, dass zum Feuchteschutz genügend Luftwechsel stattfindet, ohne dass der Bewohner aktiv lüften muss. Meistens kommt man um irgendeine Form von Lüftungssystem nicht herum, besonders bei hochgedämmten und dichten Gebäuden.

Konsequenzen im Altbau: Ein gut durchdachtes Lüftungskonzept bringt mehrere Vorteile: Schutz vor Schimmel, ein gesundes Raumklima und auch den Erhalt der Bausubstanz (Möbel und Tapeten werden nicht klamm). Für den Bauherrn ist wichtig zu wissen, dass die Erstellung eines Lüftungskonzepts seine Verantwortung ist bzw. die eines beauftragten Planers. Gerade bei Innendämmung – wo die Wand kälter wird – ist Lüftung essenziell: Die Raumluftfeuchte muss im Zaum gehalten werden, damit sich an den (nun kälteren) Außenwandbereichen kein Kondensat bildet. Das gilt umso mehr für Schlafzimmer und Bäder. In der Praxis werden in solchen Räumen oft dezentrale Lüfter eingebaut. Ein Beispiel: Zwei gegenüberliegende Außenwände mit Innendämmung können je ein Lüftungsgerät enthalten, die im Wechselbetrieb die Luft austauschen, fast unsichtbar außer einer kleinen Innenblende.

Abschließend: Ohne angemessene Lüftung kann eine Innendämmung scheitern, weil trotz baulich richtiger Ausführung dann von innen so viel Feuchte anfällt (Kochen, Duschen, Atmen), dass die kältere Wand damit überfordert ist. Daher unbedingt dieses Thema ernst nehmen und ggf. einen Fachmann für Lüftungstechnik hinzuziehen. DIN 1946-6 gibt hier klare Vorgaben, wann was zu tun ist.

Hinweise zur Planung und Nachweisführung

Zum Schluss noch wichtige Planungshinweise, die schon in der Konzeptionsphase einer Innendämmung beachtet werden sollten. Innendämmung im Altbau erfordert eine sorgfältige Voruntersuchung und oft auch rechnerische Nachweise, um Schäden zu vermeiden und die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

Feuchteschutzplanung

Bestandsanalyse: Vor der Entscheidung für eine Innendämmung steht eine genaue Betrachtung der bestehenden Wand. Feuchtigkeitsquellen müssen identifiziert und eliminiert werden: Sind die Außenwände schlagregendicht? Gibt es Hinweise auf aufsteigende Feuchte (feuchte Sockelbereiche)? Wie ist der Salzgehalt des Mauerwerks (Salze binden Feuchte und können zu Abplatzungen führen)? Solche Probleme sind vor Anbringen der Innendämmung zu sanieren (Abdichtungen, Horizontalsperren, Sanierputze etc.), da die Innendämmung sonst die Wand weiter auskühlt und Feuchteprobleme verschlimmern würde. Ebenfalls wichtig: Die Wandoberfläche innen sollte schimmelfrei und tragfähig sein – vorhandener Schimmel ist zu entfernen und die Ursache (meist Raumfeuchte) zu klären.

Berechnung nach DIN 4108-3 (Glaser-Verfahren): In Deutschland muss für Außenbauteile ein Tauwasserschutz nachgewiesen werden. Üblicherweise geschieht dies mit dem Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3, das einen stationären Diffusionsfeuchtevergleich über ein Heizperioden-/Sommer-Zyklus durchführt. Dabei wird vereinfacht berechnet, ob die während der Winter-Tauperiode eindiffundierte Wassermenge in der darauffolgenden Verdunstungsperiode (Sommer) wieder austrocknet und keine unzulässig hohe Restfeuchte im Bauteil verbleibt. Dieses Verfahren erlaubt eine gewisse Tauwassermenge (Grenzwerte 500 g/m² bei Schutz vor Kondensation, bzw. 1000 g/m² bei nur vereinzelter Tauwasserbildung), solange vollständige Rücktrocknung erfolgt. In der Praxis zeigt das Glaser-Diagramm bei Innendämmungen jedoch oft Tauwasser an – besonders bei diffusionsoffenen oder kapillaraktiven Systemen –, obwohl diese dennoch funktionieren können. Grund: Das Verfahren berücksichtigt keine kapillare Rückführung von Feuchte. Auch Bauteilfeuchte (z. B. anfängliche Feuchte, Schlagregen) wird dabei ausgeklammert. Deswegen ist das Glaser-Verfahren für viele Innendämmfälle nur eingeschränkt anwendbar. Die Norm DIN 4108-3 selbst verlangt, dass keine Kondensatbildung auftritt bzw. dass kondensierte Feuchte innerhalb von 3 Monaten wieder verdunstet – das ist bei rein diffusionsoffenen Innendämmungen oft rechnerisch nicht erfüllt, obwohl die Kapillarität tatsächlich für Verdunstung sorgt.

Dynamische Simulation nach EN 15026: Für komplexe feuchteführende Bauteile (z. B. kapillaraktive Innendämmung, Fachwerk etc.) wird daher eine hygrothermische Simulation empfohlen, etwa mit WUFI nach EN 15026. Diese rechnet instationär über das ganze Jahr und berücksichtigt Kapillareffekte, Sorption, Klimadaten (inkl. Schlagregen) usw. Insbesondere die WTA-Merkblätter zur Innendämmung verlangen in vielen Fällen eine solche Simulation, um die Konstruktion abzusichern. Die WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege) hat vereinfachte Kriterien definiert, wann eine Konstruktion als feuchte-safe gilt. Zum Beispiel wird ein maximaler relativer Feuchtewert von 95 % an der Grenzfläche zur Wand als Grenzwert angesehen – so wird vermieden, dass freies Wasser (flüssiges Tauwasser) auftritt. Solange 95 % r.F. nicht überschritten werden, liegt das Wasser in der Materialstruktur noch gebunden vor und kann kapillar zurücktransportiert werden. Solche Kriterien können durch Simulation überprüft werden.

Planerische Konsequenz: Es sollte bereits in der Planung festgelegt werden, welches Nachweisverfahren genutzt wird. Einfacher Innendämm-Aufbau bei trockener Ziegelwand? -> Evtl. Glaser-Rechnung möglich, um zu zeigen, dass Tauwasser geringer als 500 g/m² ist und rücktrocknet. Anspruchsvollerer Fall (z. B. Fachwerkwand, oder Dämmstoff mit > 0,5 m²K/W Wärmewiderstand)? -> Besser WUFI-Simulation durchführen, um die Feuchteentwicklung über einige Jahre zu prognostizieren. So können z.B. Schimmelrisiken oder zu hohe Wandfeuchten erkannt und durch Anpassungen vermieden werden (z. B. doch Dampfbremse vorsehen, Dämmstoffstärke reduzieren, Wand von außen hydrophobieren etc.).

Hinweis: Gemäß DIN 4108-3 darf bei Innendämmungen in Bestandsbauten auch der Ansatz verfolgt werden, dass geringe Tauwassermengen zulässig sind, wenn sichergestellt ist, dass keine Schädigung (wie Schimmel, Frost) auftritt. Manche Genehmigungsbehörden oder Förderprogramme (z. B. KfW) verlangen aber explizit einen Nachweis der Unbedenklichkeit, was praktisch immer auf eine WUFI-Berechnung hinausläuft, insbesondere wenn kapillaraktive Systeme eingesetzt werden. Der Planer sollte das beim Kunden kommunizieren (ggf. Kosten für Gutachten einplanen).

Wärmebrücken und Bauteilanschlüsse

Wie oben im Abschnitt „kritische Anschlüsse“ detailliert beschrieben, erzeugt eine Innendämmung besondere Wärmebrücken. In der Planung sollte man:

  • Alle Anschlusspunkte identifizieren: Innenwandanschlüsse, Decken, Böden, Fenster und ggf. eingebettete Bauteile (Kamine, Balkone, Stahlträger). Für jeden dieser Punkte sind Lösungen (Dämmstreifen, Keile, etc.) zu planen.

  • Wärmebrückenberechnung oder Gleichwertigkeitsnachweis: Nach Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) kann man Wärmebrücken pauschal anrechnen (was einen hohen Zuschlag ergibt) oder detailliert nachweisen. Innendämmungen erfüllen meist nicht die Kriterien des „vereinfachten Gleichwertigkeitsnachweises“ nach DIN 4108 Beiblatt 2 – das heißt, man muss entweder den ungünstigen Pauschalzuschlag von 0,1–0,15 W/m²K nehmen, oder jeden Anschluss einzeln berechnen. Es lohnt sich oft, Letzteres zu tun, da trotz gestiegener Ψ-Werte die Gesamtverluste immer noch geringer sind als ungedämmt. Spezielle Wärmebrückenkataloge für Innendämmung (z. B. für Holzfaser-Innendämmungen) können helfen, typische Anschlüsse ohne eigene Berechnung zu beurteilen.

  • Mindestoberflächentemperaturen prüfen: Wichtig vor allem für Hygiene (Schimmel). Wie erwähnt sollte im Endzustand kein Bereich unter f<sub>Rsi</sub> 0,7 (bei 20 °C/50 % r.F.) liegen. Falls die Standardausführung das nicht gewährleistet (z. B. Ecke zu kalt), müssen Zusatzmaßnahmen ergriffen werden (Dämmung bis auf Rohdecke führen, Flankendämmung anbringen, alte Putzsprünge ausgleichen etc.). Die Planung sollte diese Punkte bereits enthalten, damit die Handwerker vor Ort wissen, was zu tun ist.

  • Thermografie und Blower-Door einplanen: Zur Qualitätskontrolle kann es sinnvoll sein, nach Fertigstellung mittels Infrarot-Thermografie zu überprüfen, ob irgendwo Dämmstoff fehlt (kalte Stellen) oder mittels Blower-Door-Test, ob die Luftdichtung funktioniert (ggf. mit Nebel, um Lecks aufzuspüren). Diese Maßnahmen sind zwar Ausführungskontrollen, sollten aber schon in der Planung vorgesehen/budgetiert werden.

Luftdichtheit und Anschlussdetails

Eine Innendämmung bringt eine neue luftdichte Ebene ins Gebäude – nämlich auf der Innenseite (bzw. zwischen Dämmung und Raum). Bereits kleinste Undichtigkeiten in dieser Ebene können gravierende Feuchteschäden verursachen, denn durch Fugen kann warme Innenluft konvektiv nach außen strömen und dort innerhalb der kalten Konstruktion große Mengen Tauwasser abladen (wesentlich mehr als durch reine Diffusion). Daher hat die Luftdichtheit höchste Priorität.

Planerisch bedeutet das: Jedes Detail braucht eine Lösung. Wo Elektroinstallationen in der Außenwand liegen (z. B. Steckdosen), dürfen diese nicht ungeschützt hinter der Dampfbremse verbleiben. Entweder müssen die Steckdosen in die Innenschale vorverlegt und luftdicht eingepackt werden, oder man verwendet luftdichte Dosen mit Dichtung. Bei Heizungsrohren oder anderen Durchdringungen durch die Außenwand muss die Dampfbremse verklebt werden oder bei putzbasierten Systemen eine Manschette in den Putz integriert werden. Fensteranschlüsse sind besonders kritisch: Hier sollte ein geeignetes Dichtband zwischen Rahmen und Laibungsdämmung geplant werden (z. B. vorkomprimierte Dichtbänder, die gleichzeitig als Schlagregendichtung dienen). Im Holzbau gibt es spezielle Dichtfolienanschlüsse; im Massivbau oft Dichtschlämme oder Primer+Klebeband-Lösungen.

In der Planung sollte festgelegt sein, wer die Luftdichtung ausführt – der Putzer? Der Zimmerer? – und mit welchen Materialien. Sogenannte „Luftdichtheitsebene”: Bei rein kapillaraktiven Systemen übernimmt oft der spezielle Innendämmputz diese Aufgabe. Dieser Putz muss dann bis an alle angrenzenden Bauteile herangeführt werden (z. B. in die Ecken, an Decken etc.) und dort anschließen. Falls das nicht möglich ist, muss doch mit Folienstreifen gearbeitet werden.

Kontrolle: Es empfiehlt sich, einen Blower-Door-Test schon während der Arbeiten (im Rohbauzustand vor Verkofferung von Installationen) durchzuführen, um Leckagen zu orten. Dieses Vorgehen (Zwischentest) kann in den Bauvertrag aufgenommen werden, damit die Verantwortung klar ist.

Nachweispflichten und Regelwerke (DIN 4108-3, EN 15026, WTA-Merkblatt)

Wie bereits unter Feuchteschutz beschrieben, verlangen gesetzliche Regelungen einen Tauwassernachweis. Für Förderprogramme (z. B. KfW) und bei anspruchsvollen Konstruktionen wird i.d.R. ein Simulationsnachweis gefordert, weil das einfache Glaser-Verfahren die Sicherheit nicht garantiert. EN 15026 ist die einschlägige Norm für hygrothermische Simulationen; Software wie WUFI basiert darauf. Ein solcher Nachweis kann genau zeigen, ob und wo kritische Feuchten auftreten.

Die WTA-Merkblätter zur Innendämmung bieten Planern praxisnahe Empfehlungen. So gibt es z. B. ein Planungsleitfaden Innendämmung (WTA Merkblatt 6-4) und spezielle Merkblätter für Fachwerk (WTA 8-10). Darin werden Kategorien wie kondensattolerierende und -verhindernde Systeme erläutert und Anforderungen definiert. Die WTA gibt auch Hinweise, wann ein Glaser-Nachweis ausreicht und wann ein WUFI gerechnet werden sollte. Planer sind gut beraten, diese Merkblätter zu beachten, da sie den aktuellen Stand der Technik widerspiegeln und oft von Gutachtern und Behörden als Maßstab herangezogen werden.

Nachweispflicht konkret: Bei einer Baugenehmigung oder einem Förderantrag kann die Behörde verlangen, dass Sie nachweisen, dass keine Feuchte- oder Schimmelschäden zu erwarten sind. Der Planer muss dann z.B. ein Gutachten vorlegen, in dem per Simulation belegt wird, dass die kritische relative Feuchte an der Wandoberfläche nicht überschritten wird und dass etwaige Kondensatmengen unbedenklich sind (unter Grenzwerten bleiben und austrocknen). Auch die Wärmebrückenbewertung gehört dazu – im EnEV/GEG-Nachweis müssen Sie angeben, ob Sie detailliert gerechnet haben oder den pauschalen Zuschlag verwenden (was die Effizienz etwas schmälert). Für KfW-Effizienzhäuser ist meist der detaillierte Nachweis nötig.

Zusammenfassung Planung: Eine Innendämmung erfordert interdisziplinäres Denken: Bauphysik (Wärme und Feuchte) und Baukonstruktion (Detailanschlüsse) gehen Hand in Hand. Alle beteiligten Gewerke – vom Fensterbauer über den Putzer bis zum Heizungsinstallateur – müssen ins Konzept eingebunden werden, damit am Ende Dichtheit und Kontinuität gewährleistet sind. Mit sorgfältiger Planung, z.B. nach den Empfehlungen der WTA und unter Einhaltung der relevanten Normen, lässt sich jedoch eine fachlich fundierte und nachhaltige Innendämm-Lösung für Altbauten realisieren, die Energie einspart und gleichzeitig die Bausubstanz schützt.

 

 
 
 

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